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Verstanden

Vent

Welch ein Kontrast! Nur wenige Kilometer hinter dem wintertouristisch hochgerüsteten Sölden im Ötztal findet man sich im stillen Venter Tal und dem von 158 Seelen bewohnten Örtchen Vent wieder. Ein Klassiker unter den alpinen Bergsteigerdörfern mit langer Tradition, mit Alpingeschichte und Alpenvereinsbezug. Ein Ausgangspunkt zahlreicher alpiner Klassiker wie Wildspitze, Similaun, Weißkugel und vielen mehr und ein Ort im Konflikt zwischen Erschließungsvorhaben und Bewahren.

Hier zog der Geistliche Franz Senn am 28. September 1860 als Kurat in das 1.900 m hoch gelegene Bergdorf ein. Von hier aus betrieb er sowohl sein Tourismuskonzept für die dahindarbende Bevölkerung als auch die Gründung des Deutschen Alpenvereins. Senns Tourismuskonzept ging von der Prämisse aus: Der Berg ist in seiner Schönheit und Erlebnisvielfalt nicht Besitz Einzelner, sondern gehört allen, die sich von ihm beschenken lassen. Die im Gebirge lebende Bevölkerung soll den Berg zugänglicher machen, die anreisenden Gäste in Quartier nehmen, sie versorgen, beraten, mit Trägerdiensten unterstützen und nach ihren Wünschen auf Übergängen und bei Gipfelersteigungen führen. Als Gegenleistung bezahlen die Gäste aus der Stadt die Dienstleistungen mit barem Geld, sichern damit die dörfliche Existenz und vermitteln auch Bildung und mehr Weltoffenheit.

Dieses Grundkonzept führte auch zur Gründung des Deutschen Alpenvereins, zu den Sektionen des Alpenvereins mit den Schutzhütten und der streng festgelegten Arbeitsgebietebetreuung. Der aufkeimende Alpinismus und Alpintourismus brachte ersten Wohlstand in die alpinen Seitentäler, – auch nach Vent. 120 Jahre nach dem Einzug von Pfarrer Franz Senn in Vent, nämlich am 12. Juli 1980, ließ Vent erneut aufhorchen. Während viele andere hochgelegene Alpenorte schon längst im großtechnischen Massentourismus aufgegangen waren, entschieden sich die Venter bewusst gegen diesen Weg.

Im Gegensatz zu vielen anderen alpinen Bergdörfern haben sich die Übernachtungen im Sommerhalbjahr nahezu konstant gehalten, was für die von den Tourismusverantwortlichen gewählte Strategie spricht. Dieses Niveau gilt es jedoch auch in der Zukunft zu halten. Franz Senn hat im 19. Jahrhundert die „Hardware“ für den Alpinismus in den Bergtälern Tirols geschaffen. Für die „Software-Spezialisten“ des 21. Jahrhunderts gilt es nun, das Erfolgsrezept Senns zu veredeln und mit neuen Ideen weiterzuentwickeln.

(Quelle: bergsteigerdörfer)